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Webentwicklung

Online-Terminbuchung für Ihre Website: Systeme, Kosten und Integration im Vergleich

TL;DR -- 3 Wege zur Online-Terminbuchung

Es gibt drei grundsätzliche Ansätze, um Online-Terminbuchung auf Ihrer Website anzubieten. Welcher passt, hängt von Branche, Budget und Integrationstiefe ab.

AnsatzKostenVorteileNachteile
SaaS-Widget einbetten0–50 EUR/MonatSchnell live, keine Entwicklung nötigFremdes Branding, eingeschränkte Anpassung
API-Integration2.000–5.000 EUR einmaligNahtloses Design, volle Kontrolle über UXAbhängig vom SaaS-Anbieter, API-Limits
Custom-Lösung5.000–15.000 EUR einmaligKeine Abhängigkeiten, beliebig erweiterbarHöherer Aufwand, Wartung liegt bei Ihnen

Für die meisten KMU in Österreich ist ein SaaS-Widget der richtige Einstieg. Wer eine nahtlose Integration ins eigene Design braucht oder sensible Daten verarbeitet (Arztpraxen, Therapeuten), sollte die API-Integration oder eine Custom-Lösung in Betracht ziehen.


Warum Online-Terminbuchung? Die Zahlen sprechen klar

Telefonische Terminvereinbarung klingt vertraut, ist aber teuer. Die Fakten:

  • No-Show-Rate ohne Erinnerungen: 15–20 % bei Dienstleistern, bis zu 30 % bei Arztpraxen (Quelle: WKO Branchenreport 2025)
  • No-Show-Rate mit automatischer Erinnerung: 4–7 %
  • Zeitersparnis pro Mitarbeiter: 5–8 Stunden pro Woche, die sonst für Telefon und manuelle Planung aufgehen
  • Buchungen ausserhalb der Geschäftszeiten: 40–60 % aller Online-Buchungen passieren abends oder am Wochenende

Ein einfaches Rechenbeispiel: Eine Physiotherapie-Praxis mit 30 Terminen pro Tag und einer No-Show-Rate von 15 % verliert 4,5 Termine täglich. Bei 80 EUR pro Termin sind das 360 EUR Umsatzverlust -- pro Tag. Mit automatischen SMS-Erinnerungen sinkt die No-Show-Rate auf 5 %, was die Verluste auf 120 EUR reduziert. Das spart 240 EUR pro Tag oder rund 5.000 EUR pro Monat.

Was Kunden erwarten

Laut einer Studie von Doctolib (2025) buchen 72 % der Patienten unter 45 Jahren bevorzugt online. Im Dienstleistungsbereich zeigt sich ein ähnliches Bild: Wer keine Online-Buchung anbietet, verliert Kunden an die Konkurrenz, die es tut.

Das gilt besonders für:

  • Arztpraxen und Therapeuten -- Patienten wollen nicht in der Warteschleife hängen
  • Friseure und Kosmetikstudios -- spontane Buchungen am Abend
  • Gastronomie -- Tischreservierungen rund um die Uhr
  • Beratung und Coaching -- internationale Kunden in verschiedenen Zeitzonen
  • Handwerksbetriebe -- Besichtigungstermine ohne Hin-und-Her per Telefon

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SaaS-Lösungen im Vergleich

Der Markt für Online-Terminbuchung ist gross. Wir konzentrieren uns auf die Systeme, die für den österreichischen Markt relevant sind -- mit DSGVO-konformem Hosting, deutschsprachiger Oberfläche und funktionierenden Integrationen.

Doctolib

Zielgruppe: Ärzte, Therapeuten, medizinische Einrichtungen

Doctolib ist in Österreich der Marktführer für Arzttermine. Das System wird von Patienten aktiv genutzt -- viele suchen direkt auf doctolib.at nach Ärzten. Die Einbettung auf der eigenen Praxis-Website ist Standard.

  • Kosten: ab 139 EUR/Monat pro Arzt
  • Stärken: Hohe Patientenreichweite, Videosprechstunde integriert, automatische Erinnerungen (SMS + E-Mail), Synchronisation mit Praxisverwaltungssystemen
  • Schwächen: Relativ teuer, eingeschränkte Designanpassung des Widgets, Patienten landen teilweise auf doctolib.at statt auf Ihrer Website
  • DSGVO: Daten auf EU-Servern, AV-Vertrag vorhanden, Gesundheitsdaten-Verarbeitung gemäss Art. 9 DSGVO abgedeckt

LATIDO

Zielgruppe: Ärzte in Österreich

LATIDO ist die österreichische Alternative zu Doctolib und wird von der Ärztekammer unterstützt.

  • Kosten: ab 79 EUR/Monat
  • Stärken: Österreichische Plattform, Integration in ärztliche Verzeichnisse, gute Sichtbarkeit bei österreichischen Patienten
  • Schwächen: Geringere Bekanntheit als Doctolib, weniger Features bei der Videosprechstunde
  • DSGVO: Hosting in Österreich, besonders gut für sensible Gesundheitsdaten geeignet

Treatwell

Zielgruppe: Friseure, Kosmetik, Wellness, Beauty

Treatwell ist im Beauty-Bereich verbreitet und funktioniert ähnlich wie Doctolib für den Gesundheitssektor: Kunden suchen direkt auf der Plattform.

  • Kosten: ab 49 EUR/Monat (Basis), Provision auf Neukunden über die Plattform
  • Stärken: Grosse Reichweite im Beauty-Segment, Kassensystem integriert, Marketing-Tools
  • Schwächen: Provisionsmodell kann teuer werden, Lock-in-Effekt
  • DSGVO: EU-Server, AV-Vertrag verfügbar

Calendly

Zielgruppe: Berater, Coaches, Agenturen, B2B-Dienstleister

Calendly ist der Klassiker für professionelle Terminplanung -- besonders im B2B-Bereich und bei Beratern beliebt.

  • Kosten: Gratis (Basisversion), ab 10 USD/Monat (Standard), ab 16 USD/Monat (Teams)
  • Stärken: Extrem einfache Einrichtung, Kalender-Sync (Google, Outlook, iCal), Puffer-Zeiten, Gruppenplanung, Zapier-Integrationen
  • Schwächen: Keine branchenspezifischen Features (kein Kassensystem, keine Patientenverwaltung), US-Unternehmen (DSGVO-Konformität über DPA, aber Datenverarbeitung in den USA möglich)
  • DSGVO: DPA verfügbar, EU-Datenverarbeitung optional (Enterprise), Standardvertragsklauseln

SimplyBook.me

Zielgruppe: Allrounder -- Dienstleister aller Art

SimplyBook.me ist flexibel einsetzbar und bietet viele branchenspezifische Features als Module an.

  • Kosten: Gratis (bis 50 Buchungen/Monat), ab 8,25 EUR/Monat (Basic), ab 24,90 EUR/Monat (Standard)
  • Stärken: Grosse Flexibilität durch Modulbaukasten, Widget-Einbettung, eigene Buchungsseite, Zahlungsintegration, DSGVO-Tools eingebaut
  • Schwächen: Viele Features nur als Zusatzmodul, Oberfläche kann unübersichtlich werden
  • DSGVO: EU-Server verfügbar, AV-Vertrag, DSGVO-Modul für Cookie-Consent und Datenlöschung

TerminApp.at

Zielgruppe: Österreichische KMU, Handwerker, lokale Dienstleister

TerminApp.at ist ein österreichischer Anbieter, der sich auf den lokalen Markt spezialisiert hat.

  • Kosten: ab 19 EUR/Monat
  • Stärken: Österreichisches Unternehmen, deutschsprachiger Support, einfache Einrichtung, SMS-Erinnerungen
  • Schwächen: Kleinerer Funktionsumfang als internationale Anbieter, weniger Integrationen
  • DSGVO: Hosting in Österreich, ideal für datensensible Anwendungen

Preisvergleich: Was kostet Online-Terminbuchung?

AnbieterGratis-PlanAb-Preis/MonatZielgruppeEU-Hosting
DoctolibNein139 EURÄrzte, TherapeutenJa
LATIDONein79 EURÄrzte (AT)Ja (AT)
TreatwellNein49 EURBeauty, WellnessJa
CalendlyJa10 USDB2B, BeraterOptional
SimplyBook.meJa (50/Monat)8,25 EURAllrounderJa
TerminApp.atNein19 EURKMU (AT)Ja (AT)
ResmioJa (Basis)39 EURGastronomieJa
OpenTableNeinab 49 EURGastronomieJa

Hinweis zu den Preisen: Alle Preise Stand Mai 2026, netto. Viele Anbieter bieten Jahresrabatte von 15–25 %. Doctolib und Treatwell erheben teilweise zusätzliche Provisionen auf Neukunden.

Versteckte Kosten beachten

Bei SaaS-Lösungen fallen neben dem monatlichen Abo oft weitere Kosten an:

  • SMS-Erinnerungen: 0,05–0,10 EUR pro SMS (je nach Anbieter im Preis enthalten oder extra)
  • Zahlungsabwicklung: 1,5–3 % Transaktionsgebühr bei Online-Bezahlung
  • Premium-Features: Video-Calls, Team-Management, API-Zugang oft nur in höheren Tarifen
  • Einrichtung: Manche Anbieter berechnen einmalige Setup-Gebühren (100–500 EUR)

Wann reicht ein Widget? Wann braucht man Custom?

Die Entscheidung zwischen SaaS-Widget und Custom-Entwicklung ist keine Frage des Budgets allein. Es geht um Ihre konkreten Anforderungen.

SaaS-Widget reicht, wenn...

  • Sie Standard-Termine anbieten (feste Dauer, feste Slots)
  • Ihre Website auf WordPress, Shopify oder einem Baukasten basiert
  • Sie maximal 2–3 Mitarbeiter haben, die Termine annehmen
  • Design-Konsistenz zweitrangig ist (ein erkennbar eingebettetes Widget stört nicht)
  • Sie schnell live sein wollen (Einrichtung in 1–2 Stunden)

API-Integration sinnvoll, wenn...

  • Das Buchungssystem sich nahtlos ins Website-Design einfügen soll
  • Sie mehrere Standorte oder Teams koordinieren
  • Sie eine bestehende Kundendatenbank oder ein CRM anbinden wollen
  • Sie eigene Buchungslogik brauchen (z.B. unterschiedliche Terminlängen je nach Service)
  • Sie den SaaS-Anbieter im Backend nutzen, aber die UX selbst gestalten wollen

Custom-Lösung notwendig, wenn...

  • Sie sensible Daten verarbeiten und volle Kontrolle über die Datenhaltung brauchen
  • Ihre Buchungslogik komplex ist (Ressourcenplanung, Kapazitätsmanagement, Abhängigkeiten)
  • Sie kein Drittanbieter-Risiko eingehen wollen (Preisänderungen, API-Abschaltung, Insolvenz)
  • Sie die Buchung mit internen Systemen (ERP, Warenwirtschaft, Schichtplanung) verknüpfen
  • Sie regulatorische Anforderungen haben, die kein SaaS-Anbieter abdeckt

Branchenspezifische Empfehlungen

Jede Branche hat andere Anforderungen an die Terminbuchung. Hier unsere konkreten Empfehlungen basierend auf Kundenprojekten.

Ärzte und Therapeuten

Empfehlung: Doctolib oder LATIDO als Plattform, ergänzt durch Widget-Einbettung auf der Praxis-Website.

Arztpraxen profitieren doppelt: Die Plattform bringt Neupatienten, die Website bindet Bestandspatienten. Wichtig ist, dass das System mit der Praxisverwaltungssoftware (PVS) synchronisiert -- sonst entstehen Doppelbuchungen.

Besonderheiten:

  • Gesundheitsdaten sind nach Art. 9 DSGVO eine besondere Datenkategorie -- dazu mehr im DSGVO-Abschnitt
  • Videosprechstunde sollte integriert sein (Nachfrage seit 2024 um 300 % gestiegen)
  • Automatische Erinnerungen reduzieren No-Shows in Praxen von 25 % auf unter 5 %
  • Rezeptbestellung und Befundabfrage als Zusatzfunktion sinnvoll

Budget: 139–200 EUR/Monat (SaaS) oder 8.000–15.000 EUR einmalig (Custom mit PVS-Anbindung)

Friseure und Beauty

Empfehlung: Treatwell (wenn Neukunden über die Plattform gewünscht) oder SimplyBook.me (wenn nur über die eigene Website gebucht wird).

Im Beauty-Bereich sind kurze Buchungszyklen und Stammkunden der Normalfall. Das System muss schnell sein -- drei Klicks bis zur Buchung, nicht mehr.

Besonderheiten:

  • Mitarbeiterauswahl bei der Buchung (Kunden wollen „ihren" Friseur)
  • Service-Kombination (Schneiden + Färben = andere Zeitplanung)
  • No-Show-Schutz durch Vorauszahlung oder Kaution
  • Instagram-Integration (Buchungs-Button direkt im Profil)

Budget: 49–100 EUR/Monat (SaaS)

Gastronomie und Hotellerie

Empfehlung: Resmio (deutschsprachig, kostenloser Basisplan) oder OpenTable (wenn internationale Gäste kommen).

Für Restaurants ist die Tischreservierung kein Nice-to-have mehr -- Google zeigt den „Reservieren"-Button direkt in den Suchergebnissen. Wer das nicht anbietet, verliert Gäste an die Konkurrenz.

Besonderheiten:

  • Google-Reserve-Integration (direkte Buchung aus Google Maps)
  • Tischmanagement und Kapazitätsplanung
  • Automatische Warteliste bei Auslastung
  • Bewertungsmanagement nach dem Besuch

Mehr dazu auf unserer Seite zur Digitalisierung in der Gastronomie.

Budget: 0–100 EUR/Monat (SaaS), abhängig von der Restaurantgrösse

Berater, Coaches und Agenturen

Empfehlung: Calendly -- der De-facto-Standard im B2B-Bereich.

Für Dienstleister mit beratungsintensiven Services ist Calendly ideal: Kalender-Sync, Puffer-Zeiten, Round-Robin-Zuweisung an Teammitglieder und nahtlose Integration in E-Mail-Signaturen.

Besonderheiten:

  • Zeitzonen-Handling für internationale Kunden
  • Workflows (automatische E-Mail-Sequenzen vor und nach dem Termin)
  • Routing-Formulare (Fragen vor der Buchung, die zum richtigen Ansprechpartner führen)
  • Integration mit Zoom, Google Meet, Microsoft Teams

Budget: 10–16 USD/Monat pro Nutzer

Handwerker und technische Dienstleister

Empfehlung: SimplyBook.me oder TerminApp.at für einfache Besichtigungs- und Beratungstermine.

Handwerker brauchen keine komplexe Buchungslogik -- aber sie brauchen Zuverlässigkeit. Kunden sollen online einen Besichtigungstermin buchen können, statt fünfmal anzurufen.

Besonderheiten:

  • Fahrtzeit-Puffer zwischen Terminen
  • Standort-/PLZ-basierte Verfügbarkeit
  • Einfache Bedienung auch für wenig technikaffine Mitarbeiter
  • SMS-Erinnerung besonders wirksam (Handwerkerkunden vergessen häufiger)

Budget: 19–50 EUR/Monat (SaaS)


Welches Buchungssystem passt zu Ihrer Branche?

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Integration in bestehende Websites

Die Integration hängt stark von Ihrer Website-Technologie ab. Hier die gängigsten Szenarien.

WordPress

WordPress bietet zwei Wege:

1. Plugin des Anbieters installieren: Die meisten SaaS-Anbieter (Calendly, SimplyBook.me, Doctolib) bieten offizielle WordPress-Plugins. Installation dauert 10 Minuten, Konfiguration weitere 30 Minuten.

2. iFrame oder JavaScript-Snippet einbetten: Universeller Ansatz, der mit jedem SaaS-Anbieter funktioniert. Sie kopieren einen Code-Snippet in Ihre Seite -- fertig.

Typische Probleme bei WordPress:

  • Plugin-Konflikte mit Cache-Plugins (WP Rocket, W3 Total Cache)
  • Responsive-Darstellung des iFrames auf mobilen Geräten
  • Performance-Einbussen durch externe Skripte (Core Web Vitals leiden)

Next.js und React-basierte Websites

Bei modernen Websites auf Basis von Next.js oder React gibt es elegantere Lösungen:

1. API-Integration: Sie nutzen die REST-API des Buchungssystems und bauen eine eigene UI-Komponente. Das Ergebnis: Die Buchung fühlt sich an wie ein nativer Teil Ihrer Website.

// Beispiel: Calendly-Verfügbarkeit über API abrufen
const slots = await fetch('https://api.calendly.com/event_types/{id}/available_times', {
  headers: { Authorization: 'Bearer YOUR_TOKEN' }
});

2. React-Komponente des Anbieters: Calendly bietet ein offizielles React-Package (react-calendly), das sich sauber in Next.js-Projekte einbinden lässt.

3. Server-Side-Integration: Für maximale Performance: Verfügbare Slots serverseitig abrufen und statisch oder per ISR rendern. Der Buchungsvorgang selbst läuft dann über eine API-Route.

Wir bei exponent setzen bei Kundenprojekten bevorzugt auf die API-Integration, weil sie die beste Balance aus Flexibilität und Wartbarkeit bietet.

Shopify

Shopify hat ein eigenes App-Ökosystem. Empfehlenswerte Buchungs-Apps:

  • Sesami: Beliebteste Termin-App im Shopify-Store
  • BookThatApp: Flexibel, gut für verschiedene Buchungstypen
  • Tipo: Modernes UI, gute Performance

Installation über den Shopify App Store, Konfiguration über das Shopify-Admin-Panel. Die Integration ist in der Regel unkompliziert, weil Shopify-Apps auf das Theme-System zugreifen können.

Webflow und Baukasten-Systeme

Bei Webflow, Squarespace und Wix funktioniert nur die Widget-Einbettung per iFrame oder JavaScript-Snippet. API-Integrationen sind hier nicht möglich (oder nur mit Umwegen über Zapier/Make).


DSGVO und Datenschutz bei Online-Terminbuchung

Terminbuchungssysteme verarbeiten personenbezogene Daten -- mindestens Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer. Bei Arztpraxen kommen Gesundheitsdaten hinzu. Die DSGVO stellt hier klare Anforderungen.

Grundlegende Pflichten

Unabhängig vom gewählten System müssen Sie folgendes sicherstellen:

  1. Auftragsverarbeitungsvertrag (AV-Vertrag): Mit jedem SaaS-Anbieter, der Daten Ihrer Kunden verarbeitet, brauchen Sie einen AV-Vertrag nach Art. 28 DSGVO. Die meisten Anbieter stellen diesen online bereit.

  2. Datenschutzerklärung aktualisieren: Ihr Buchungssystem muss in der Datenschutzerklärung Ihrer Website genannt werden -- inklusive Zweck, Rechtsgrundlage und Speicherdauer.

  3. Rechtsgrundlage: Für die Terminbuchung selbst greift in der Regel Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO (Vertragsanbahnung). Für Marketing-E-Mails brauchen Sie eine separate Einwilligung.

  4. Löschkonzept: Definieren Sie, wann Buchungsdaten gelöscht werden. Standardempfehlung: 6 Monate nach dem Termin, sofern keine gesetzlichen Aufbewahrungspflichten bestehen.

Gesundheitsdaten: Besondere Kategorie

Wenn Ihr Buchungssystem den Grund des Arztbesuchs abfragt oder Patienten eine Fachrichtung auswählen (z.B. „Orthopädie", „Psychotherapie"), verarbeiten Sie Gesundheitsdaten im Sinne von Art. 9 DSGVO.

Das bedeutet:

  • Explizite Einwilligung des Patienten erforderlich (Art. 9 Abs. 2 lit. a DSGVO)
  • Verschlüsselung der Daten bei Übertragung (TLS) und Speicherung (AES-256)
  • Zugriffsprotokollierung: Wer hat wann auf welche Patientendaten zugegriffen?
  • Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA): Bei systematischer Verarbeitung von Gesundheitsdaten verpflichtend

Praxistipp: Doctolib und LATIDO haben diese Anforderungen bereits in ihre Plattform eingebaut. Bei Calendly oder SimplyBook.me müssen Sie selbst sicherstellen, dass Gesundheitsdaten nicht unverschlüsselt übertragen werden -- im Zweifel diese Tools nicht für Arzttermine nutzen.

Datenübertragung in Drittländer

Calendly ist ein US-Unternehmen. Auch wenn ein EU-US Data Privacy Framework existiert, bleibt ein Restrisiko. Für sensible Daten empfehlen wir grundsätzlich Anbieter mit Hosting in der EU oder besser noch in Österreich.

AnbieterServerstandortAV-VertragFür Gesundheitsdaten geeignet
DoctolibDeutschland/FrankreichJaJa
LATIDOÖsterreichJaJa
TreatwellEUJaNein (kein Fokus)
CalendlyUSA (EU optional)Ja (DPA)Bedingt
SimplyBook.meEUJaBedingt
TerminApp.atÖsterreichJaBedingt

Kosten einer individuellen Buchungslösung

Wenn SaaS-Lösungen nicht reichen, wird eine individuelle Terminbuchung entwickelt. Die Kosten hängen vom Funktionsumfang ab.

Kostenstaffel nach Komplexität

UmfangKostenFunktionenTypischer Anwendungsfall
Basis5.000–8.000 EURKalenderansicht, Terminauswahl, E-Mail-Bestätigung, Admin-DashboardEinzelpraxis, kleiner Dienstleister
Standard8.000–12.000 EURMehrere Mitarbeiter/Ressourcen, SMS-Erinnerungen, Zahlungsintegration, WartelistePraxisgemeinschaft, mittelgrosser Betrieb
Komplex12.000–20.000 EURMulti-Standort, ERP-Anbindung, Kapazitätsmanagement, Custom-Logik, ReportingKlinik, Franchise, grosser Dienstleister

Was ist in diesen Kosten enthalten?

Ein typisches Custom-Projekt bei uns umfasst:

  1. Konzeption und UX-Design (20 % des Budgets): Buchungsflow definieren, Wireframes, Responsive-Design
  2. Frontend-Entwicklung (30 %): Kalenderkomponente, Formulare, Bestätigungsseiten
  3. Backend-Entwicklung (35 %): Datenbank, Buchungslogik, E-Mail/SMS-Versand, Admin-Panel
  4. Testing und Launch (15 %): Funktionale Tests, Lasttest, DSGVO-Check, Go-Live

Laufende Kosten einer Custom-Lösung

Zusätzlich zu den einmaligen Entwicklungskosten fallen an:

  • Hosting: 20–80 EUR/Monat (je nach Traffic und Anforderungen)
  • SMS-Versand: 0,05–0,08 EUR pro SMS (typisch: 500–2.000 SMS/Monat)
  • E-Mail-Versand: 0–20 EUR/Monat (über Services wie Resend oder AWS SES)
  • Wartung und Updates: 100–300 EUR/Monat (Sicherheitsupdates, kleinere Anpassungen)

Gesamtkosten laufend: 150–400 EUR/Monat

Wann lohnt sich Custom?

Eine Custom-Lösung amortisiert sich, wenn:

  • Die monatlichen SaaS-Kosten über 200 EUR liegen (bei mehreren Nutzern summiert sich das schnell)
  • Sie regulatorische Anforderungen haben, die kein SaaS abdeckt
  • Die Buchungslogik so spezifisch ist, dass Sie den SaaS-Anbieter ohnehin verbiegen müssen
  • Sie die Terminbuchung als Wettbewerbsvorteil sehen und nicht von einem Drittanbieter abhängig sein wollen

Bei Interesse an einer individuellen Lösung: Wir entwickeln Buchungssysteme als Teil von Web-App-Projekten und beraten Sie gern, ob SaaS oder Custom in Ihrem Fall die bessere Wahl ist.


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Checkliste: So wählen Sie das richtige System

Bevor Sie sich für ein System entscheiden, beantworten Sie diese Fragen:

1. Wie viele Termine pro Tag/Woche? Unter 10 pro Tag: SaaS reicht fast immer. Über 50 pro Tag: Prüfen Sie die Performance des SaaS-Widgets unter Last.

2. Wie viele Mitarbeiter nehmen Termine an? Einzelperson: Jedes System funktioniert. Team mit 5+ Personen: Achten Sie auf Round-Robin, Kapazitätsplanung und faire Preise pro Nutzer.

3. Brauchen Sie Zahlungsintegration? Vorauszahlung oder No-Show-Gebühr: Stripe oder Klarna sollten unterstützt werden. Reine Terminbuchung ohne Bezahlung: Einfacheres System reicht.

4. Welche Daten verarbeiten Sie? Nur Name + E-Mail: Standard-DSGVO-Massnahmen reichen. Gesundheitsdaten: Nur Anbieter mit nachgewiesener Art.-9-Konformität nutzen.

5. Wie wichtig ist Design-Konsistenz? Widget darf sichtbar fremd sein: SaaS-Widget. Muss sich nahtlos einfügen: API-Integration oder Custom.

6. Welche Systeme nutzen Sie bereits? Google Calendar: Calendly, SimplyBook.me. Praxisverwaltung (PVS): Doctolib, LATIDO. CRM (HubSpot, Salesforce): Calendly. ERP: Custom-Lösung.


Häufige Fragen

Was kostet eine Online-Terminbuchung für meine Website?

SaaS-Lösungen starten kostenlos (Calendly, SimplyBook.me) und gehen bis 200 EUR/Monat (Doctolib für mehrere Ärzte). Eine Custom-Integration kostet 5.000 bis 15.000 EUR einmalig plus 150 bis 400 EUR/Monat laufend. Für die meisten KMU reicht ein SaaS-Abo zwischen 20 und 50 EUR/Monat.

Welches Terminbuchungssystem ist DSGVO-konform?

Alle in diesem Artikel genannten Systeme bieten einen AV-Vertrag und sind grundsätzlich DSGVO-konform einsetzbar. Für Gesundheitsdaten empfehlen wir Doctolib oder LATIDO, da diese speziell für medizinische Daten zertifiziert sind. Bei Calendly (US-Anbieter) sollten Sie den EU-Datenverarbeitungszusatz aktivieren.

Kann ich eine Terminbuchung in meine WordPress-Website einbauen?

Ja. Die einfachste Methode ist ein Plugin des jeweiligen Anbieters (Calendly, SimplyBook.me) oder ein iFrame-Embed. Installation dauert 15 bis 30 Minuten. Achten Sie auf mögliche Konflikte mit Cache-Plugins und testen Sie die mobile Darstellung.

Reduziert Online-Terminbuchung wirklich No-Shows?

Ja, signifikant. Studien zeigen eine Reduktion der No-Show-Rate von 15 bis 20 Prozent auf 4 bis 7 Prozent -- vor allem durch automatische Erinnerungen per SMS und E-Mail. Die SMS-Erinnerung 24 Stunden vor dem Termin ist dabei am wirksamsten.

Brauche ich für eine Arztpraxis eine spezielle Lösung?

Ja. Arztpraxen verarbeiten Gesundheitsdaten, die unter Art. 9 DSGVO fallen. Allgemeine Buchungssysteme wie Calendly sind dafür nicht ausgelegt. Nutzen Sie Doctolib, LATIDO oder eine Custom-Lösung mit nachweisbarer Gesundheitsdaten-Konformität.

Wie lange dauert die Einrichtung einer Online-Terminbuchung?

SaaS-Widget einbetten: 1 bis 3 Stunden. API-Integration in eine bestehende Website: 1 bis 2 Wochen. Custom-Lösung von Grund auf: 4 bis 8 Wochen. Die meisten Kunden starten mit einem SaaS-Widget und wechseln später auf eine Integration, wenn der Bedarf wächst.

Was ist besser: Calendly oder SimplyBook.me?

Calendly ist besser für B2B-Beratungstermine (Zeitzonen, Workflows, CRM-Integration). SimplyBook.me ist besser für Dienstleister mit verschiedenen Services und Mitarbeitern (Modulbaukasten, Zahlungsintegration, breiterer Funktionsumfang). Für Ärzte sind beide nicht die erste Wahl -- da empfehlen wir Doctolib oder LATIDO.

Kann ich Online-Buchung und telefonische Buchung parallel anbieten?

Ja, und das empfehlen wir auch. Blockieren Sie im Buchungssystem die Slots, die telefonisch vergeben werden (manuelle Eintragung oder Kalender-Sync). So vermeiden Sie Doppelbuchungen. Die meisten Praxen und Betriebe stellen fest, dass nach 3 bis 6 Monaten 60 bis 80 Prozent der Buchungen online eingehen.

Welche Förderungen gibt es für die Digitalisierung der Terminbuchung?

In Österreich können Sie die KMU.DIGITAL-Förderung nutzen, die bis zu 30 Prozent der Kosten für Digitalisierungsprojekte abdeckt. Das gilt sowohl für SaaS-Jahresabos als auch für Custom-Entwicklungen. Der Förderantrag muss vor Projektbeginn gestellt werden.

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